Als Gefangener in Ubatuba wusste Hans Staden, dass er bald bei einem mehrtägigen Fest erschlagen und gegessen werden sollte. Im Zentrum des Dorfes hockten die Tupinambá, rauchten und planten den Zeitpunkt für dieses Fest. Der Häuptling trat mit Federschmuck und der Keule auf, mit der er getötet werden sollte. Staden bekam das alles mit. Er hatte Todesangst. Trotzdem versuchte er mit vielen Argumenten die Tupinambá davon zu überzeugen ihn zu verschonen. Nach einigen Monaten hatte er sogar Erfolg. Er konnte als Heiler auftreten und wurde wie ein fremder Schamane akzeptiert.

    Vor einem großen Holzkreuz betete Staden täglich zu seinem Gott, er möge ihn aus der Hand der Heiden erlösen. Die Frauen der Tupinambá hatten auf den umliegenden Feldern Maniok angebaut. Jetzt wollten sie ihn ernten. Eine Frau hatte aber Stadens Kreuz beseitigt. Sofort war tagelang heftiger Regen gefallen und die Ernte war gefährdet. Staden erklärte, die Sonne werde erst scheinen, wenn sein Kreuz wieder hergestellt würde. Das geschah dann auch. Der Regen hörte auf und die Sonne schien wieder. Die Frauen konnten in der Siedlung anfangen, den geernteten Maniok zu verarbeiten.

    Staden war 1555 aus Brasilien zurückgekehrt. Was er erlebt hatte, war in Deutschland ganz unbekannt. Das erkannte auch Professor Dryander von der Universität Marburg. Er regte an, dass Staden die Erlebnisse auf seinen beiden Reisen aufschreiben sollte. Staden wurde Bürger in Wolfhagen. Er stand in seinem Zimmer mit dem Blick auf die Stadtkirche und schrieb. Im Juni 1556 war er fertig. Die Handschrift brachte ein Bote zu Pferd nach Marburg zur Druckerei. Dort erschien das Werk mit dem Titel: Warhaftige Historia. Im Frühling 1557 wurde es nach Frankfurt zur Buchmesse gebracht und verkauft.

    Bevor Staden mit dem Schreiben begann, wurde er von Philipp dem Großmütigen befragt. Auch weitere Gelehrte waren anwesend und überprüften seine Aussagen. Offensichtlich war man überzeugt, dass Staden die Wahrheit berichtete. So durfte er das Werk dem Landesherrn widmen. Ein fertiges Exemplar hat er wohl persönlich nach Kassel gebracht und überreicht. Philipp konnte beim ersten Durchblättern erkennen, dass es mit vielen Holzschnitten ausgestattet war. Sie erlaubten einen Blick in die fremde Welt der Tupinambá, bei denen Staden neun Monate war.

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